Mnemotechniken im LerncoachingÜBERSICHT DES INHALTS

  • MNEMOTECHNIKEN, DIE LERNBOOSTER
  • WAS GENAU SIND MNEMOTECHNIKEN
  • WIE FUNKTIONIEREN MNEMOTECHNIKEN?
  • WELCHE TECHNIKEN GIBT ES

Der griechische Dichter Simonides von Keos (557 bis 467 vor Christus) gilt als der „Erfinder“ der Mnemotechniken. Er hatte herausgefunden, dass er sich besser an Gegenstände erinnern konnte, wenn er diese mit bestimmten Orten verknüpfte.

Später machten sich die Römer diese Techniken zunutze, um ihre Reden frei halten zu können.
Das ist eine von vielen Geschichten, wie Mnemotechniken entstanden sind.

DIE KUNST SICH ETWAS LEICHT ZU MERKEN

griech.: mnemo = Gedächtnis/Erinnerung und techne = Kunst)

Cicero soll unter anderem gesagt haben: „Wer diese Fähigkeit trainieren will, muss deshalb bestimmte Orte auswählen und von den Dingen, die er im Gedächtnis behalten will, geistige Bilder herstellen und sie an die bewussten Orte heften. So wird die Reihenfolge dieser Orte die Anordnung des Stoffs bewahren, das Bild der Dinge aber die Dinge selbst bezeichnen, und wir können die Orte anstelle der Wachstafel, die Bilder statt der Buchstaben benützen.“

Wie weise sie doch früher waren. Allerdings blieben diese genialen Mnemotechniken den Gelehrten vorbehalten. Leider hat sich daran kaum etwas geändert, denn immer noch wissen viel zu wenige Schüler und Studenten, wie viel schneller das Lernen gehen könnte.

Mit dem bloßen Auswendiglernen von abstrakten Begriffen tut sich das Gehirn schwer, denn dafür ist es von Natur aus nicht eingerichtet. Doch genau das wird in den meisten Unterrichtsformen gefordert: Auswendiglernen von Zahlen, Daten und Fakten. Bundesländer, Hauptstädte, Geschichtsdaten, die Bestandteile einer Pflanze usw. Viele Schüler tun sich verständlicherweise schwer damit und genau dies führt schnell zu Lernunlust und Frust bei den Hausaufgaben. Einige verlieren sogar den Glauben an ihre Merkfähigkeit und kommen zu der Überzeugung, sie seien dumm. Dabei liegt es viel zu häufig daran, dass die Kinder null Bezug zu den Unterrichtsinhalten haben. Sie können weder etwas mit Nordrhein Westphalen anfangen (wenn sie dort nicht gerade leben), noch mit Wilhelm Brandt. Da braucht das arme Gehirn eine freundliche Unterstützung.

WAS GENAU SIND MNEMOTECHNIKEN?

Kurz gesagt, Mnemotechniken sind geniale Lernstrategien. Sie werden u.a. Gedächtnistechniken oder -strategien genannt. Passend wäre auch, sie als gehirnfreundliche Lernbooster zu betiteln. Denn sie steigern die Aufnahmefähigkeit und Schnelligkeit beim Abspeichern von Informationen.

Es wird nicht einfach drauflos gelernt, sondern eine Strategie und ein mentales Ablage-System genutzt, das der neuronalen Struktur unseres Gehirns entspricht. Es gibt verschiedene Mnemotechniken, da kann sich jeder etwas passendes herauspicken.

Strategien erleichtern uns Menschen in vielerlei Hinsicht das Leben, Wir tun etwas Schritt für Schritt, z.B. wenn wir uns Anziehen oder etwas kochen. Einmal gelernt geht es ganz leicht. Der Ablauf erfolgt automatisch. Das liebt unser Gehirn, denn das ist energiesparend. Und so ist es auch mit den Gedächtnistechniken, wenn diese erst einmal verstanden und als Strategie integriert wurden, dann steigt das Lerntempo enorm an. Und als Resultat der persönliche Wissensspeicher auch. Ist doch klasse, denn nur wo schon Wissen vorhanden ist, lässt sich weiteres hervorragend und schneller anknüpfen.

WIE FUNKTIONIEREN MNEMOTECHNIKEN?

Mit den Mnemotechniken lassen sich also Begriffe, Daten und Zahlen viel leichter merken. Das Prinzip hinter diesen Techniken ist immer gleich: Die Lerninhalte werden komprimiert, in innere Bilder transformiert bzw. codiert und mental verortet. Je absurder und emotionaler diese vorgestellten Bilder sind, umso nachhaltiger ist der Merkfaktor.

Unser Gehirn ist ein wahrer Meister darin, sich das zu merken, was wir sehen oder erleben und es merkt sich auch, wo etwas stattgefunden hat. Je emotionaler ein Erlebnis war, desto tiefer brennt es sich im Gedächtnis ein. So erinnern wir uns z.B. leicht daran, wenn wir etwas besonders Schönes erlebt haben oder etwas Schreckliches passiert ist. Und einige können auch perfekt erinnern, an welcher Stelle im Buch eine bestimmte Information stand; ob auf der linken oder rechten Buchseite, oben oder unten…aber WAS genau dort stand, wird leider nicht immer automatisch und vollständig mit abgespeichert. Für die nächste Klassenarbeit ist das ganz schlecht!

Genau dort setzen die Mnemotechniken an. Abstrakte Inhalte werden verbildlicht, als kleine Story miteinander verknüpft und systematisch im Gehirn in eine Art Dateiordner gelegt (verortet). So herrscht Ordnung im Kopf! Und was ordentlich weggeräumt wurde, finden wir auch leicht wieder. Welch eine Freude das im nächsten Test sein wird!

WELCHE MNEMOTECHNIKEN GIBT ES?

ROUTEN-TECHNIK

Die wahrscheinlich bekannteste Methode ist die Routen-Technik, auch Loci-Technik oder Gehirnpalast genannt. Diese wird von Gedächtnissportlern für ihre sensationellen Gedächtnisleistungen genutzt. Die Routen-Technik kann zu einem Master-System (Major-System) für 100 Informationen erweitert werden.

Diese Technik ist altersunabhängig und leicht zu erlernen. Dabei werden die schon erwähnten fantasievollen Bilder an bestimmte Routenpunkte eines Raumes, Weges oder des eigenen Körpers verortet. Entweder können eigene Routen entworfen oder es können bestehende Routen-Systeme genutzt werden. Letzteres ist ein Supervorteil für überlastete Schüler und Studenten, die nicht noch viel zusätzliche Zeit für den Erwerb einer neuen Strategie investieren wollen.

In dem Buch MEMOLAND – EINE REISE DURCH DIE ZAUBERWELT DER GEDÄCHTNISTRICKS, habe ich mit meiner Kollegin Inga Täger diese Technik für Grundschüler in Mitmachgeschichten integriert. So lernen die Kinder diese Strategie spielerisch kennen und können sie gleich mit ausprobieren.

INS MEMOLAND GEHT ES HIER LANG

GESCHICHTEN-TECHNIK

Bei der Geschichten-Technik werden für die zu merkenden Informationen genauso fantasievolle Bilder entwickelt. Aus diesen mentalen Bildern entstehen merk-würdige Geschichten. Die Vorgehensweise braucht jedoch mehr Übung, vor allem das assoziative, kreative Denken ist dabei gefordert. Schnell geht das meist zu Beginn noch nicht. Und wenn, wie im Studium, viel Lernstoff in wenig Zeit zu lernen ist, dann eignen sich Routen-Systeme mit vorgefertigten Merklisten besser.

MNEMOTECHNIKEN IM LERNCOACHING

Für den Einstieg in die Mnemotechniken bietet sich im LernCoaching die Raumroute oder für jüngere Schüler die Körperroute an. Diese hat den Vorteil, dass man sie immer mit dabei hat.

Mnemotechniken im Memoland

Das ist ARCHIBALD mit der Körperroute aus dem MEMOLAND – Das Gedächtnistraining für Kinder.

Hier erfährst du mehr über MEMOLAND

ANLEITUNG FÜR DIE KÖRPERROUTE

  1. Geht die 10 Routenpunkte am Körper festlegen:

1 – Fuß / Füße

2 – Knie

3 – Vordere Hosentasche

4 – Po / Hintere Hosentasche

5 – Bauch

6 – Herzgegend / Brust

7 – Schulter

8 – Hals

9 – Nase

10 – Kopf

Am besten ist es, jeden Routenpunkt zu berühren und laut mitzusprechen: „Fuß, Knie, Hosentasche vorn,…“ Unterstützend kann eine Visualisierung sein…am Flipchart, Whiteboard oder einem Handout ein Männchen mit den Punkten zeichnen und jeweils darauf zeigen.

  1. Nun 10 Begriffe wählen. Entweder gemeinsam 10 wahllose Begriffe ausdenken und aufschreiben, wie z.B. ‚Flöte, Hamster, Buch…‘ oder 10 Lernbegriffe nutzen, z.B. vom Aufbau einer Pflanze.
  1. Jetzt diese Begriffe bildhaft vorstellen und nacheinander mit einem Punkt an der Körperroute verknüpfen. Bei Routenpunkt 1, den Füßen, beginnen. Beispielsweise für die Flöte könnte ein Bild entstehen, wie Jemand mit den Zehen Flöte spielt. Und derjenige spielt ganz schrecklich, weil die Füße so stinken und er die Nase rümpfen muss, so dass lauter schiefe Töne erklingen. Je witziger und ‚merk-würdiger‘, desto besser prägt es sich ein!
  1. So geht ihr dann weiter, Begriff für Begriff, bis alle 10 einem Körperpunkt zugeordnet sind. Am besten funktionieren Vorstellung, die der eigenen Fantasie entspringen. Für manche ist das zu Anfang ungewöhnlich und die Visualisierungen eher einfältig. Dann hilft ein wenig Zuspruch, die Bilder noch verrückter zu machen und diese ggf. mit einem Geräusch oder Geruch zu versehen.
  1. Nun die ausgewählten Begriffe verdecken und Routenpunkt für Routenpunkt die verorteten Begriffe von den Füßen an rekonstruieren.

Falls ein Begriff nicht erinnert wird…macht nichts! Einfach überspringen und bei dem darauffolgenden weitermachen. Meist fällt der fehlende Begriff später ein. Am Ende GRATULIEREN 😀

Was für ein Erfolgserlebnis, wenn der Coachee sich alle 10 Begriffe in kurzer Zeit merken konnte! Und selbst, wenn er „nur“ 7 oder 8 Begriffe behalten hat, ist das ein tolles Erfolgserlebnis. Deshalb ist ein GEDÄCHTNISTRAINING IM LERNCOACHING mit Mnemotechniken gleichzeitig Ressourcenarbeit, denn es stärkt das Selbstvertrauen.

ZU DEM ARTIKEL ‚GEDÄCHTNISTRAINING IM LERNCOACHING‘ GEHT ES HIER LANG

Wenn Begriffe nicht abgerufen werden konnten, liegt es meist daran, dass das vorgestellte Bild nicht klar genug konstruiert waren. Vielleicht war es auch nicht witzig genug, denn Emotionen sind hilfreiche Modulatoren für unser Gehirn. Und auf jeden Fall ist es wichtig, sich jedes Bild vor dem inneren Auge gut vorzustellen. Dieser Moment, den man sich nimmt, um sich eine absurde Vorstellung von etwas zu machen, benötigt viel Konzentration. Diese erschafft so viel Energie im Gehirn, ja, tatsächlich geht es dort oben ziemlich elektromagnetisch zu, wenn neue neuronale Verknüpfungen entstehen. Den nicht erinnerten Begriffen einfach noch einmal etwas Aufmerksamkeit und Fantasie schenken und erneut visualisieren.

VORTEILE DER MNEMOTECHNIKEN

  • Wissen schneller und effektiver verarbeiten und merken
  • steigern der Lern- und Aufnahmefähigkeit
  • Fantasie und Kreativität wird geweckt
  • Assoziatives Denken wird angeregt
  • Lernen macht mehr Spaß
  • „Spickzettel“ immer dabei 😉
  • Vorträge und Referate freihalten
  • ein Vielfaches an Informationen abspeichern
  • Konzentrationsfähigkeit wird trainiert
  • Kopf-Fitness-Training stärkt das Gedächtnis

FÜR WELCHEN LERNSTOFF GEEIGNET?

Skeptiker kritisieren, dass es sich ja nur um eine andere Form des Auswendiglernens handelt. Der Lernstoff müsse verstanden und Zusammenhänge erfasst werden. Das stimmt und ist sogar eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich das Gehirn erfolgreich Dinge merken kann. Und es gibt darüber hinaus überall Fakten, die einfach zu wissen sind und dafür eignen sich die Mnemotechniken hervorragend:

  • Zahlen, Daten, Fakten
  • Aufgaben (Hausaufgaben, Referat vorbereiten, etc.)
  • Vokabeln lernen
  • mitzubringende Materialien
  • Namen
  • Telefonnummern (wichtig für Notfälle)
  • Passwörter

ACHTUNG NEBENWIRKUNGEN !!!

Und hier kommen die vielleicht bedeutsamsten Argumente für den Einsatz von Mnemotechniken. Sie sind in meinen Augen sehr viel mehr als Lernstrategien oder ein Fitnesstraining fürs Gehirn! Auf dem Beipackzettel steht so einiges! Also Achtung wegen der Auswirkungen!

Mnemotechniken…

…aktivieren Ressourcen und stärken das Vertrauen in die eigene Merkfähigkeit. Vor allem Kinder, denen das Lernen nicht so leicht fällt, profitieren am meisten davon! Es macht einfach stolz, sich Dinge zügig merken zu können. Und nichts motiviert so, wie Erfolg! Dieser wiederum macht zuversichtlich. So können neue, stärkende Glaubenssätze entstehen…wie z.B. „Ich kann mir Dinge leicht merken!“

…stärken die Selbstwirksamkeit, denn die jüngeren und älteren Nutzer erleben, dass sie zu viel mehr in der Lage sind, als sie bisher dachten. Sie haben nun ihr eigenes Lernsystem an der Hand, das ihnen hilft, leichter zu lernen.

…trainieren ganz nebenbei die Konzentrationsspanne. Die wiederum steht auch in anderen Bereichen zur Verfügung…im Unterricht, beim Sport, in Beziehungen…

…verhelfen zum Vergrößern des persönlichen Wissensnetzwerks. Und je größer das ist, desto leichter kann sich neuer Lernstoff und andere Informationen anknüpfen.

…bringen frischen Wind ins träge, mühselige Lernen. So machen die Vorbereitungen für ein Referat und das Lernen für die nächste Klausur mehr Spaß.

FAZIT

Jede Mnemotechnik erleichtert dem Gehirn, neue Informationen gehirnfreundlich speichern und leicht erinnern zu können. Sie fördern den Spaß beim Lernen und dienen als ICH-stärkende-Intervention, weil durch den schnellen Lernerfolg blockierende Glaubenssätze revidiert werden können.

Ich werde hier vielleicht noch über weitere Gedächtnistipps schreiben. Bis dahin viel Spaß beim Ausprobieren.

Begeisterte Lerngrüße
von Farida