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Therapeutisches Zaubern hatte mich schon immer fasziniert. Ich war stets auf der Suche danach, wie ich Kindern mit z.B. Motivationsproblemen, LRS oder geringem Zutrauen in die eigenen Lernfähigkeiten, noch besser unterstützen könnte.

Immer auch mit dem Gedanken, die sich sorgenden oder (zu) leistungsorientierten Eltern, hilfreich mit in den Coaching-Prozess einbeziehen zu können.

Meine Idee, Zauberkunststücke ins Lerncoaching zu integrieren, lag vor allem darin, die Stunden mit Leichtigkeit, Spaß und Spannung anzureichern.

Nun, nachdem ich Therapeutisches Zaubern an zwei Tagen mit Thomas Dietz erleben durfte, bin ich nicht nur völlig verzaubert und noch begeisterter, sondern habe erlebt, wie umfassend und heilend die Wirkungskräfte sein können.

Als die Teilnehmenden der Weiterbildung gebannt den Zaubergeschichten lauschten, wurde mir klar, wie diese die Aufmerksamkeit von Kindern einfangen und in ihnen Spuren hinterlassen. Und das Berührenste dieser beiden Tagen waren die Fallberichte aus der Logopädischen Praxis von Thomas, die mir mehrere Male Tränen der Rührung bescherten.

Noch ganz angefüllt von der Zaubermagie schreibe ich diesen Beitrag, denn meines Erachtens ist der Einsatz des Therapeutischen Zauberns im Lerncoaching, in der Lerntherapie, im Kinder- und Jugendcoaching und in der Pädagogik viel zu gering und die Wirkungsvielfalt zu wenig bekannt.

WAS IST EIGENTLICH THERAPEUTISCHES ZAUBERN?

Therapeutisches Zaubern, so wie es Annalisa Neumeyer (Dipl.-Sozialpädagogin, approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Therapeutin für klinische Hypnose) entwickelt und geprägt hat, ist weit mehr als das Erlernen von Tricks. Es verbindet Zauberkunststücke mit Elementen der Hypnotherapie, der lösungsorientierten Arbeit und der Kraft von Metaphern und Geschichten.

Das Zaubern wird zum Schlüssel: Es lenkt Aufmerksamkeit, weckt Staunen, schafft Leichtigkeit und öffnet dabei fast unmerklich – auf magische Art und Weise – einen inneren Raum, in dem Veränderung geschehen kann.

Wer als Kind oder Jugendlicher einen Trick erlernt und ihn dann vor anderen vorführt, erlebt etwas ganz Besonderes: Er oder sie kann etwas, was andere nicht können. Diese kleine, aber feine Erfahrung von Selbstwirksamkeit kann tief wirken, besonders bei Kindern und Jugendlichen, die im schulischen Alltag viele Misserfolge erleben.

Therapeutisches Zaubern_Ausbildung Teil 1

WARUM IST ZAUBERKUNST FÜR LERNCOACHING UND LERNTHERAPIE SO WERTVOLL?

Schüler:innen, die mit Legasthenie, LRS oder Dyskalkulie zu kämpfen haben, tragen meist eine unsichtbare Last mit sich: den Glauben, nicht klug genug zu sein. Nicht zu genügen. Anders zu sein…jedoch eben nicht auf eine wertvolle Art. Ihr Selbstwert hat durch ihr ‚Defizit‘ arg gelitten und der Zugang zu ihren ist aufgrund ihres entwickelten Misstrauens manchmal nicht leicht.

In diesem Kontext ist Therapeutisches Zaubern viel, viel mehr als eine kleine spielerische Spaß-Aktivierung! Es ist eine pädagogisch-therapeutische, lösungsorientierte Intervention, die professionell eingesetzt das eigene Konzept bereichert. Eine Methode, die genau dort wirkt, wo klassische Lernförderung oft an ihre Grenzen stößt: bei der inneren Überzeugung des Kindes sich selbst gegenüber.

Die Teilnehmenden der Weiterbildung ‚Therapeutisches Zaubern‘ erlebten: Selbstvertrauen wächst fast wie von Zauberhand. Das Kind erlebt sich als kompetent und wirksam. Es hat etwas geschafft, was Können verlangt und das außerhalb des Schulkontextes, abseits von Noten und Bewertungen.

Ganz nebenbei werden Konzentration, Feinmotorik und das Einhalten von Handlungsabläufen spielerisch trainiert. Viele Tricks erfordern präzise Handbewegungen, Geduld und Wiederholung. Wichtige lernrelevante Kompetenzen werden wie auf einem Ausflug nebenbei gelernt.

Der Zugang zum Kind öffnet sich:
Über das Zaubern entsteht Kontakt, Vertrauen und Freude.

Kinder, die in einem normalen Gesprächssetting kaum sprechen, blühen plötzlich auf, weil Zaubern spannend ist, Spaß macht und keine Bedrohung darstellt.

Bezugspersonen werden einbezogen: Wenn das Kind seinen Eltern oder Mitschüler:innen einen Trick vorführt und beide Seiten staunen und echte Begeisterung erleben, verändert sich auch die Dynamik auf der Beziehungsebene. Plötzlich sehen Eltern ihr Kind durch eine andere Brille. Aus dem Problemkind wird ein Zauberkind, das etwas Tolles kann. Auch eine Klasse kann eine andere Seite an ihrer Mitschülerin oder ihrem Mitschüler entdecken, was bei den Beobachtenden zu Bewunderung oder sogar Respekt führt.

WAS SAGT DIE FORSCHUNG DAZU?

Bedauerlicherweise gibt es zu der von Annalisa Neumeyer entwickelten Methode ‚Therapeutisches Zaubern‘ keine kontrollierten Studien. Wie so oft bei innovativen, ganzheitlichen Ansätzen vertraue ich den professionellen Anwender:innen, den Erfolgsgeschichten und meinem eigenen Bauchgefühl.

Was es jedoch gibt, ist überzeugend: Internationale Studien mit Kindern (recherchiert mit claude)

Eine randomisierte kontrollierte Studie am Stony Brook Children’s Hospital in den USA zeigte, dass Kinder, die an einem Magie-Programm teilnahmen, ihre Angst um rund 25 % reduzierten und dieser Effekt hielt mindestens eine Stunde an. Bemerkenswert: 98 % der beteiligten Ärztinnen und Pflegenden empfahlen, das Programm weiterzuführen.

Eine Pilotstudie mit Kindern mit ADHS ergab signifikant höhere Selbstwert-Scores nach einem Zauber-Sommercamp, mit einer moderaten Effektgröße, die in der Forschung durchaus als bedeutsam gilt.

Und eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 – die vier randomisierte Studien mit 180 Kindern auswertete – belegte, dass Zaubern in der Kinderzahnheilkunde die Behandlungsangst signifikant senken kann. Besonders bei jüngeren Kindern war die Wirkung beeindruckend stark.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE LERNBEGLEITUNG?

Diese Studien untersuchen zwar nicht Neumeyers Methode direkt, aber sie bestätigen genau jene Wirkprinzipien, auf denen sie aufbaut:

🔶 Zugang durch Aufmerksamkeitslenkung

🔶 Aufbau von Selbstwirksamkeit

🔶 Angstreduktion & Ressourcenstärkung

🔶 Positive Beziehungsgestaltung

🔶 Die Kraft des positiven Erlebens

Aus der Praxis kommen berührende Berichte: von einem 13-jährigen Jungen aus der Sonderschule, der völlig aus dem Häuschen war, wenn ihm ein Kartentrick gelang. Und von einem ehemals unsicheren, stotternden Mädchen, das nach einer Zaubertherapie selbstbewusst eigene Zauberaufführungen darbot und dadurch immer selbstsicherer wurde.

WIE WIRKT THERAPEUTISCHES ZAUBERN?

Um zu verstehen, warum Therapeutisches Zaubern so nachhaltig wirkt, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen, denn was auf den ersten Blick wie pures Spielen aussieht, ist in Wirklichkeit ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Hypnotherapie, Lösungs- und Ressourcenorientierung und der besonderen Kraft des Staunens.

Der hypnotherapeutische Einsatz: Spannung und Geschichten öffnen Türen

Zaubern erzeugt einen Zustand, den Hypnotherapeuten sehr gut kennen: eine fokussierte Aufmerksamkeit, verbunden mit einer tiefen Neugier und dem vorübergehenden Umgehen des kritischen Verstandes.

Wenn ein Kind gebannt auf die Hände des Zaubernden schaut und der dazu gehörenden Geschichte lauscht und nicht begreift, wie der Trick funktioniert, ist genau das geschehen, die innere „analytische Bewachung“ ist kurz außer Kraft gesetzt.

Dieser Zustand ähnelt einer leichten Trance. Und in der Trance, das weiß die Hypnotherapie seit Milton Erickson, ist der Mensch besonders empfänglich für neue Möglichkeiten, für heilsame Bilder und für Geschichten, die sich tief im Unbewussten heilsam auswirken.

Annalisa Neumeyers Methode beabsichtigt genau das: Die Zauberkunststücke sind nicht Selbstzweck, sondern Träger von Metaphern. Eine Geschichte, die während eines Tricks erzählt wird, landet nicht nur im Kopf…sie landet tiefer. Sie berührt, ohne zu bedrohen. Sie verändert, ohne zu konfrontieren.

Für Kinder, die durch schulische Misserfolge gelernt haben, sich innerlich zu schützen und dichtzumachen, ist das ein Geschenk: Veränderung darf sich einschleichen…durch die Hintertür des Staunens.

Ressourcenorientierung – eine neue Fähigkeit rückt in den Fokus

Was mich an diesem Ansatz am tiefsten bewegt, ist die zutiefst wertschätzende Haltung, die ihm innewohnt. Therapeutisches Zaubern fragt nicht: „Was fehlt diesem Kind?“ Es fragt: „Was kann dieses Kind werden, wenn wir ihm den richtigen Raum geben?“

Wenn ein Kind einen Zaubertrick erlernt, mit seinen Händen, mit seiner Geduld, mit seinem Mut vor anderen aufzutreten, erlebt es sich als jemanden, der etwas kann. Nicht trotz seiner Schwierigkeiten, sondern unabhängig davon. Eine neue Fähigkeit rückt für das Kind und sie Zuschauenden in den Vordergrund.

Der Zaubertrick fragt nicht nach der Rechtschreibnote. Er braucht kein Diktat ohne Fehler. Er braucht ein Kind, das übt, das dranbleibt und strahlt, wenn es klappt.

Diese Erfahrung ist für viele Kinder mit Lernproblemen etwas zutiefst Heilsames, weil sie im Schulalltag so selten ist. Und weil sie das innere Selbstbild verändert, das oft schon sehr früh verletzt wurde: das Bild vom eigenen Können.

Beziehung als Wirkfaktor – Magie verbindet

Kein therapeutischer oder pädagogischer Prozess wirkt ohne eine tragfähige Beziehung. Auch hierbei ist Therapeutisches Zaubern außergewöhnlich: Es schafft Kontakt, wo Worte allein nicht hinkommen.

Wenn du einem Kind einen Trick zeigst und es staunt, dann seid ihr für einen Moment in derselben Welt. Das verbindet. Wenn das Kind dann selbst übt und du es dabei begleitest, entsteht etwas Gemeinsames, das über die Stunde hinausträgt. Und wenn das Kind den gelernten Trick zu Hause seinen Eltern vorführt und die begeistert staunen, dann hat die Magie sogar noch die Familie berührt.

Diese neue Beziehungsqualität ist kein netter Nebeneffekt. Sie ist einer der stärksten Wirkfaktoren überhaupt.

Die Haltung macht den Unterschied

Was Therapeutisches Zaubern nach Annalisa Neumeyer von einem bloßen ‚Trick aus einem Buch‘ unterscheidet, ist letztlich die Haltung, die trägt: eine tiefe Überzeugung, dass jedes Kind Ressourcen in sich trägt. Dass Veränderung möglich ist. Dass Leichtigkeit und Heilung keine Gegensätze sind.

Als Lerncoach, Lerntherapeut:in oder Pädagog:in kann man diese Haltung in jedem Trick mit einbringen. Und Kinder spüren das. Sie spüren, ob jemand wirklich glaubt, dass sie es schaffen können.

Das ist vielleicht das eigentliche Geheimnis des Therapeutischen Zauberns: Nicht der Trick ist die Magie. Die Magie liegt in der Begegnung.

FÜR WEN EIGNET SICH THERAPEUTISCHES ZAUBERN?

Aus meiner Sicht ist die Methode wertvoll für alle, die Kinder begleiten und in ihrer Entwicklung unterstützen und fördern. Für Kolleginn:en in eigener Praxis, stellt sie ein zusätzliches und überzeugendes Praxisangebot dar.

Therapeutisches Zaubern kann besonders hilfreich und wirkungsvoll für Kinder und Jugendliche mit folgenden Themen sein:

🔶 Demotivation, Verweigerung und Rückzugstendenzen

🔶 Lernprobleme wie LRS, Legasthenie und Dyskalkulie

🔶 Prüfungs- und Präsentationsangst 

🔶 Geringes Selbstbewusstsein

🔶 ADHS und Autismus Spektrum

Alle jungen Menschen, die viele Misserfolge erlebt haben und dringend neue Erfolgserlebnisse brauchen. Und immer dort, wo es darum geht, eine echte, tragfähige Beziehung aufzubauen, weil Zaubern verbindet, öffnet und begeistert.

MEIN FAZIT

Ich glaube, dass Therapeutisches Zaubern eines der kreativsten, wirkungsvollsten und noch viel zu wenig genutzten Werkzeuge in unserer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist.

Klar, es ist kein Ersatz für Nachhilfe, Lerncoaching, Lerntherapie oder andere Hilfen! Es ist jedoch ein wunderbares Türöffner-Medium…eines, das für magische Momente sorgt, das Kinderaugen zum Leuchten bringt, das Selbstvertrauen nährt und das die professionelle Beziehung auf eine ganz besondere Art vertieft.

Wenn du als Lerncoach, Lerntherapeut:in, Pädagog:in oder Kinder- und JugendCoach noch nicht mit dem Therapeutischen Zaubern in Berührung gekommen bist, schau doch mal, ob dich eine entsprechende Weiterbildung anspricht.

Die Inhalte eignen sich auch für den privaten Bereich…z.B. um als Oma oder Opa die Enkelkinder zu überraschen oder um unvergessliche Kindergeburtstage zu gestalten.

THERAPEUTISCHE ZAUBER-AUSBILDUNG MIT THOMAS DIETZ

Thomas Dietz ist Logopäde und systemischer Therapeut in eigener Praxis sowie autorisierter Ausbilder für Therapeutisches Zaubern nach Annalisa Neumeyer. Er bietet Weiterbildungen im Therapeutischen Zaubern u.a. in Tübingen an und nun auch online als Lerncoach MASTER-Modul in der Online-Akademie der Lerncoach-Profibox.

Das Modul ist offen für alle Interessenten und wird sowohl als Teil 1 der Therapeutischen Zauber-Ausbildung wie auch für die Lerncoach MASTER-Zertifizierung anerkannt.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es im Herbst noch einmal die Möglichkeit Teil 1 zu besuchen. Du kannst dir also ab sofort einen Platz dafür reservieren, um in deiner Praxis unvergessliche, magische Momente zu kreieren.

Fortbildung Therapeutisches Zaubern im Lerncoaching, Lerntherapie und Kindercoacing mit Thomas Dietz in der Lerncoach-Profibox

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