Die Fähigkeit, genau hören zu können, Informationen auditiv wahrzunehmen und zu verarbeiten, spielt im Lernprozess von Schüler*innen eine entscheidende Rolle.

Doch was passiert, wenn diese Fähigkeit gestört ist? Und tragischerweise unentdeckt bleibt? Wie oft wird möglicherweise eine Lernblockade fehlinterpretiert? In diesem Beitrag möchte ich für auditive Wahrnehmungsstörungen sensibilisieren und darüber informieren, wie diese das Lernen erschweren und blockieren können.

WAS SIND AUDITIVE WAHRNEHMUNGSSTÖRUNGEN?

Auditive Wahrnehmungsstörungen sind Defizite in der Verarbeitung von Geräuschen und Klängen, die unabhängig von Hörverlust auftreten können. Es sind also nicht die Ohren betroffen, sondern das Problem liegt in der Verarbeitung des Gehörten im Hörzentrum des Gehirns (auditorische Cortex im Schläfenlappen).

Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen können Schwierigkeiten haben, sprachliche Informationen zu verstehen, Geräusche zu identifizieren und auf verbale Anweisungen angemessen zu reagieren. Diese Störungen können verschiedene Formen annehmen, darunter Schwierigkeiten beim Unterscheiden von ähnlich klingenden Wörtern, Probleme beim Verarbeiten von Hintergrundgeräuschen oder Schwierigkeiten, Sprache in einem schnellen Tempo zu verarbeiten.

„Unsere Ohren sind das Tor zur Welt“

Anja Jaritz

ANZEICHEN FÜR PROBLEME BEIM HÖREN

Kinder können nicht äußern, dass sie nicht gut bzw. vollständig hören, denn so wie sie hören, ist es für sie ‚normal‘. Sie kennen nicht den Unterschied zum vollständigen Hören. Deshalb äußert sich eine Hörverarbeitungsstörung in ‚Verhaltensauffälligkeiten‘ und ist wie folgt zu beobachten:

✴️   Aufgabenstellungen werden falsch verstanden

✴️   Aufträge werden erst nach ‚lauter Ansprache‘ ausgeführt

✴️   Das Kind ist nach der Schule auffällig müde und erschöpft

✴️   Hausaufgaben benötigen viel Zeit

✴️   Abneigung gegen Gruppenarbeiten und -aktivitäten

✴️   Musik und Fernseher werden lautgestellt

✴️   Probleme bei der Rechtschreibung

✴️   Schwierigkeiten beim Fremdsprachenerwerb

✴️   Liedtexte und Gedichte auswendig lernen, fällt schwer

AUSWIRKUNGEN AUF DAS LERNEN

Die Auswirkungen auditiver Wahrnehmungsstörungen auf das Lernen können vielfältig sein und sich auf verschiedene Bereiche des schulischen Lebens auswirken:

Sprachverständnis

Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen können Schwierigkeiten haben, gesprochene Sprache richtig zu verstehen, insbesondere in geräuschvollen Umgebungen oder wenn schnell gesprochen wird. Dies kann zu Problemen beim Lesen, bei der Rechtschreibung, dem Lernen einer Fremdsprache und Verstehen von Anweisungen und Aufgabenstellungen führen. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf ihre Ergebnisse.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Die Verarbeitung von auditiven Informationen erfordert eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration. Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen können Schwierigkeiten haben, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und beim Erfassen von Arbeitsaufträgen und Aufgabenstellungen. Die hohe Anstrengung kostet sie viel Energie, so dass sie schnell ermüden und nicht sehr leistungsfähig sind.

Soziale Interaktion

Auditive Wahrnehmungsstörungen können die soziale Interaktion mit Mitschüler*innen ungünstig beeinflussen. Betroffene haben teilweise Schwierigkeiten Gesprächen in Gruppen zu folgen, sich entsprechend zu beteiligen oder angemessen zu reagieren.

Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl

Kontinuierliche Schwierigkeiten beim genauen Verstehen, können Frustration auslösen, insbesondere wenn Kinder und Jugendliche das Gefühl haben, nicht mit ihren Altersgenossen mithalten zu können. Das kratzt am Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Sozialer Rückzug kann eine Folge davon sein.

PSYCHOLOGIN ANJA JARITZ IM INTERVIEW

Anja lernte ich 2014 kennen, als ich eine Weiterbildung bei ihr in Kärnten besuchte. Sie unterstützt seit vielen Jahren Kinder und Familien in eigener Praxis und leitet gemeinsam mit ihrem Mann das Capless-Institut in Österreich. Höre selbst, was Anja zu dem Thema Wenn Kinder nicht richtig hören können aus ihrer Praxiserfahrung berichtet (23:56 Min.)…

ERKENNEN UND BEHANDELN

Die Erkennung auditiver Wahrnehmungsstörungen bei Kindern kann eine Herausforderung darstellen, da sie oft missverstanden werden, unentdeckt bleiben oder mit anderen Entwicklungsstörungen verwechselt werden. Eine gründliche audiologische Untersuchung kann dazu beitragen, eine genaue Diagnose zu stellen.

Die Behandlung von auditiven Wahrnehmungsstörungen kann verschiedene Ansätze umfassen:

Audiologische Intervention: Dies kann die Verwendung von Hörgeräten oder anderen unterstützenden Hörgeräten umfassen, um die Wahrnehmung von auditiven Informationen zu verbessern.

Sprachtherapie: Sprachtherapeuten können Techniken verwenden, um die Verarbeitung und das Verständnis von gesprochener Sprache zu verbessern, einschließlich des Trainings zum Unterscheiden von Geräuschen und der Verbesserung des Sprachverständnisses in verschiedenen Umgebungen.          

Schulische Unterstützung: Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen können von zusätzlicher Unterstützung in der Schule profitieren, wie z. B. Unterricht in kleineren Gruppen, Verwendung von visuellen Hilfsmitteln und angepasste Unterrichtsmethoden.

Hörtraining: Anja Jaritz ist Benaudira-Hörtrainerin. Sie arbeitet seit vielen Jahren mit dieser Methode, die ein individuelles Training umfasst. Das heißt jede betroffene Person erhält ein Hörtraining für zu Hause, das genau auf den benötigten Bedarf abgestimmt ist. Bei Interesse schaue auf der Benaudira-Seite vorbei und gib den Kontakt bei einem Verdacht gern an Eltern weiter. Auf der Seite gibt es auch eine Benaudira-Therapeutinnen-ListeBenaudira-Hörtraining (Nennung aus Überzeugung ohne Eigeninteresse!)

„Ein Hörtraining ist wie eine Brille für die Augen“

Anja Jaritz

FAZIT

Auditive Wahrnehmungsstörungen können erhebliche Auswirkungen auf das Lernen und die Entwicklung von Kindern haben. Durch frühzeitige Erkennung und angemessene Unterstützung können jedoch viele der Herausforderungen, mit denen betroffene Kinder konfrontiert sind, bewältigt werden. Es ist wichtig, dass Eltern, Lehrer und Fachleute eng zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, um ihr volles Potenzial ausschöpfen zu können.

Wenn Lernunterstützungen nach einiger Zeit nicht deutliche Erleichterung und Erfolge zeigen, ist es elementar wichtig der Ursache bzw. der Lernblockade auf den Grund zu gehen! So kann Leidensdruck minimiert und langfristig gelöst werden. Nachhilfe, Lerntherapie und Lerncoaching können erst dann richtig greifen und dafür sorgen, dass fehlendes Wissen nachgeholt und im Gehirn verankert werden kann. Unten findest du die Verlinkung zu Teil 1 bis 3 dieser Reihe.

WENN FRÜHKINDLICHE REFLEXE DAS LERNEN STÖREN

Teil 1

In diesem Teil geht es um persistierende (noch aktive) frühkindliche Reflexe und wie diese das Zusammenspiel von Kopf und Körper stören können. Eine häufige, jedoch leider immer noch oft unberücksichtigte Ursache von Lernblockaden. In diesem Blog-Impuls findest du zwei interessante Interviews mit Reflexintegrations-Trainerinnen. WENN FRÜHKINDLICHE REFLEXE DAS LERNEN STÖREN

ACHTUNG: MOBBING!

TEIL 2

Ein Blog-Impuls mit Interview, in dem Mobbing-Expertin Angelika Fuchs aus den Erfahrungen mit betroffenen Kindern berichtet: ACHTUNG: MOBBING!

WIE AUGENPROBLEME DAS LERNEN BLOCKIEREN KÖNNEN

Teil 3

Erfahre in diesem Beitrag und Interview, was die Visualtrainerin Anja Knaub Wissenswertes darüber berichtet: WIE AUGENPROBLEME DAS LERNEN BLOCKIEREN KÖNNEN

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